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Bebauungspläne „Niederbol-Ost“ und „Wilhelmsstraße“ in Mengen

Bebauungspläne „Niederbol-Ost“ und „Wilhelmsstraße“ in Mengen – Unterschiedliche Aufgabenstellung mit einem gemeinsamen Ziel

Kovacic Ingenieure wurden von der Stadt Mengen beauftragt, die beiden Bebauungspläne „Niederbol-Ost“ und „Wilhelmstraße“ mit ihren unterschiedlichen Zielsetzungen und den jeweils erforderlichen Verfahrens- und Planungsschritten zu erstellen.
Zusammen mit Achim Ketterer, Stadtplaner aus Wurmlingen, sowie Bernadette Siemensmeyer vom Büro 365° Freiraum + Umwelt aus Überlingen, wurden von Kovacic Ingenieure beide Bebauungspläne, die zeitlich unter engen Vorgaben lagen, in einem sehr guten Konsens mit der Stadt Mengen, dem Landratsamt Sigmaringen, den Trägern öffentlicher Belange sowie auch den privaten Institutionen und Personen erstellt und vom Gemeinderat Mengen mit den erforderlichen örtlichen Bauvorschriften als jeweils selbstständige Satzung beschlossen.

Part3

Ziel und Zweck der Planung
Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes sollten die bisher ungeregelt nebeneinander bestehenden Nutzungen „Gewerbe“ und „Wohnen“ einer städtebaulichen Ordnung zugeführt werden.
Dabei sollte für das bereits überwiegend überbaute Areal mit einer Größe von ca. 7 ha ein Bebauungsplan aufgestellt werden, in dem die verschiedenen Nutzungen baurechtlich harmonisiert und der hier existierende Standort der Firma Schlösser langfristig gesichert werden soll. Die künftige städtebauliche Ordnung sollte unter Berücksichtigung der umwelt- und gesundheitsrelevanten Belange der Anwohner angemessen entwickelt und gesichert werden. Die überbaubare Grundfläche liegt zwischen 20.000 m² und 70.000 m².
Umweltbericht

Der Umweltbericht wurde als Teil der Begründung zum Bebauungsplan “ Wilhelmstraße“ inklusive einer allgemein verständlichen Zusammenfassung nach den Anforderungen des BauGB / UVPG erstellt. Als wesentliche Grundlage für den Umweltbericht und auch den Bebauungsplan diente ein schalltechnisches Gutachten, in dem der bestehenden bzw. zu erwartenden Gewerbelärm dargestellt und mit den Ansprüchen der umliegenden Siedlungsstrukturen zu vergleichen war. Im Umweltbericht wurden alle Aspekte des Umweltrechtes ermittelt, beschrieben und die Wirkungen von geplanten Veränderungen prognostiziert.

Bebauungsplan „Niederbol-Ost“
Ziel und Zweck der Planung

Part3

Die Stadt Mengen beabsichtigte einen 13,32 ha großen Bereich am nördlichen Ortsrand als Industriegebiet zu erschließen. Dabei musste bei der Aufstellung des Bebauungsplans laut Baugesetzbuch auch eine Umweltprüfung durchgeführt werden.
Der Bebauungsplan sieht eine Erschließung des Gebietes für Industrie- und Gewerbenutzung vor. Es können maximal 80% der Grundstücksflächen überbaut oder versiegelt werden. Die maximale Gebäudehöhe beträgt im Inneren des Gebiets 20 m, ansonsten bis 14 m , im nördlichen Randbereich ist sie aus Landschaftsschutzgründen auf 10 m begrenzt. Die Erschließung erfolgt über die „Carl-Schlösser-Straße“ von der Blochinger Straße aus. Sämtliche Erschließungsstraßen werden von Baumreihen gesäumt. Am nördlichen Gebietsrand ist die Pflanzung hoher Bäume zur Eingrünung des Industriegebietes Richtung Blochingen vorgesehen. Entlang der B 32 entstehen Parkierungsflächen, welche von privaten Grünflächen umgeben und gestaltet werden. Die Weiher südwestlich des Plangebietes sowie die Lindenreihe und der Radweg entlang der Blochinger Straße bleiben erhalten. Die Abgrenzung des langfristig vorgesehenen Industriegebietes wurde im Zuge eines Rahmenplanes „Niederbol-Ost“ optimiert.

Leitziele des Rahmenplans zur städtebaulichen Entwicklung und landschaftlichen Optimierung des Gewerbegebiets „Niederbol-Ost“.

Entwicklung eines gut strukturierten Gewerbe- und Industriegebietes direkt an der Bundesstraße.
Erhalt eines ausreichend breiten Talraumes der Donau mit seinem offenen Landschaftscharakter und seinen vielfältigen ökologischen Funktionen.

Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen
Durch die geplanten Minimierungsmaßnahmen wie die Rückhaltung und Versickerung von Niederschlagswässern, die Pflanzung von Bäumen im öffentlichen und privaten Bereich, die Teilversiegelung von unbelasteten Parkierungs- und Hofflächen, eine insektenfreundliche Straßenbeleuchtung sowie die optische/ökologische Aufwertung der Weiher im Südwesten können die Eingriffe in Naturhaushalt und Landschaft minimiert werden.

Kompensationskonzept und Eingriffs- und Kompensationsbilanz
Innerhalb des Plangebietes werden zur Kompensation an der Nordgrenze eine extensive Wiesenfläche und im Süden entlang der B 32 Strauchgruppen als Rückzugsraum und zur Biotopvernetzung angelegt. Die überwiegende Kompensation des Eingriffes erfolgt außerhalb des Plangebietes.
Insbesondere zur vollständigen Kompensation der Schutzgüter Boden sowie Pflanzen und Tiere sind Kompensationsmaßnahmen im Donautal notwendig. Der prioritäre Maßnahmenschwerpunkt liegt dabei im Bereich südlich des Naturschutzgebietes „Blochinger Sandwinkel“ an der Donau. Durch die Umwandlung von Ackerflächen auf landwirtschaftlich geringwertigen Böden im Überschwemmungsbereich der Donau in extensiv genutztes Grünland soll sowohl eine Kompensation für die betroffenen Tierarten wie auch für die Bodenversiegelung erfolgen.
Für den erheblichen Eingriff in das Schutzgut Boden werden als Ersatzmaßnahme zusätzlich Gewässerentwicklungsmaßnahmen festgesetzt. Im Mündungsbereich der Ennetacher Ablach in die Donau wird ein vorhandener Sohlabsturz zurückgebaut. Die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit ist gleichzeitig eine vorrangige Gewässerentwicklungsmaßnahme im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie.

Monitoring
Die Überwachung der Minimierungsmaßnahmen und die Überprüfung möglicherweise unvorhergesehener Umweltauswirkungen wird von der Stadt Mengen erstmalig ein Jahr nach Inkrafttreten des Bebauungsplans bzw. Umsetzung der Bebauung und erneut nach 5 Jahren durch Ortsbesichtigung überprüft.