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Verkehrs- und Erschließungsplanung des Ravensburger St. Elisabeth Krankenhauses

Kovacic Ingenieure erhielt den Auftrag zur Verkehrs- und Erschließungsplanung des Ravensburger St. Elisabeth Krankenhauses. Dabei soll ein Gebäudekomplex mit 100-jähriger Baugeschichte innerhalb der nächsten acht Jahre neu strukturiert werden. Die Infrastrukturplanung zielt dabei auf die Kernfunktionen des Krankenhauses. Parallel bleiben der Krankenhausbetrieb und die medizinische Versorgung der Bevölkerung ohne Unterbrechung gewährleistet.

Nach rund zweijähriger Planungsphase ist es nun soweit: der Gebäudekomplex des Krankenhauses St. Elisabeth, der über eine 100-jährige Baugeschichte verfügt, wird neu strukturiert. Hierdurch sollen die wesentlichen drängenden baulichen und organisatorischen Mängel der Einrichtung beseitigt werden. Das 180 Millionen Euro Projekt gilt in der Region als „Jahrhundertprojekt“. Mit einer Bauzeit von insgesamt acht Jahren ist es nicht nur finanziell, sondern auch bautechnisch das größte Projekt in der Geschichte des Landkreises Ravensburg.

Part3

Mit 520 Betten, in denen jährlich 22.000 Patienten stationär versorgt werden, ist St. Elisabeth nicht nur das Herzstück der Oberschwäbischen Kliniken im Landkreis Ravensburg, sondern auch das größte Krankenhaus der Region. Als Haus der Zentralversorgung bietet es zahlreiche hoch spezialisierte Disziplinen, einschließlich einer angesehenen Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin, deren Einzugsbereiche weit über die Stadt- und Kreisgrenzen hinausgehen.

Das Bauprojekt ist in zwei Abschnitte aufgeteilt, die innerhalb von acht Jahren fertig gestellt werden sollen. Der erste Abschnitt umfasst das neue Bettenhaus an der Nordseite, den Umbau des Behandlungs- und Funktionstraktes und das Ärztehaus. Der zweite Abschnitt umfasst den Teilneubau eines Mutter-Kind-Zentrums sowie den Neubau eines Notfallgebäudes. Aufgrund der Bindungen aus dem Bestand und der Topographie wird von mehreren Bauphasen ausgegangen.

Bedeutender Auftrag für Kovacic Ingenieure GmbH
Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist das Herzstück und die Lebensader einer modernen Klinik. In Abstimmung mit den Architekten und Fachplanern wird die gesamte außenliegende Infrastruktur wie Verkehrserschließung, Kanalisation, Wasserversorgung, Gasversorgung und Stromversorgung erneuert bzw. aufgrund der Hochbaumaßnahmen in neuen Trassen verlegt.

Kovacic Ingenieure hatte hierzu an einem anspruchsvollen Auswahl- und Bewertungsverfahren mit Erfolg teilgenommen und konnte sich im Wettbewerb mit anderen Planungsbüros durchsetzen. „So ging es im Vorfeld darum, die Bestandspläne genau zu untersuchen, bereits im Bewerbungsverfahren mögliche Lösungen vorzuschlagen und die Rohrleitungsumlegungen akribisch genau zu planen“, wie Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Schwochow verdeutlicht. Wesentliche Kriterien für den Vergabeerfolg waren eine hohe fachliche Qualität, die Erfahrung des Ingenieurbüros in Zusammenarbeit mit anderen Planungsbüros sowie wohl auch die Gewissheit der Vergabestelle, mit Kovacic Ingenieure einen kommunikativen Partner an der Seite zu haben.
Qualitätsbezogene Merkmale waren daher die entscheidenden Kriterien bei der Auftragsvergabe.

Besondere Herausforderung: Bauen im Bestand und bei laufendem Krankenhausbetrieb
Besondere Rahmenbedingungen ergeben sich aus den beengten Platzverhältnissen im Baustellenbereich, da am gleichen Standort an mehreren Stellen parallel gebaut wird und das Grundstück nicht vergrößert werden kann. So kann der Aushub nicht weggefahren, sondern muss umgehend wieder eingebaut werden. Auch der Umstand, dass das Krankenhaus seinen Betrieb zu keiner Zeit unterbrechen kann, etwa 75 % aller Gebäude aber umgebaut werden sollen oder Anbauten erhalten, verdeutlicht, dass nur mit einem zeitlich perfekt abgestimmten Einsatz von Gerät und Personal das Ziel erreicht werden kann. Weitere Vorgabe ist, dass Beeinträchtigungen für Patienten, Besucher und Personal möglichst gering gehalten bzw. auf ein unvermeidbares Mindestmaß beschränkt werden. „Ein Stromleitungsabriss oder eine unbedachte Grabenverdichtung mit Auswirkungen auf die Arbeit im Operationssaal gelten gemeinhin als Super-Gau“, veranschaulicht Jürgen Schwochow die Anforderungen.
Überdies stellt die Organisation und Aufrechterhaltung der Schwerpunktanlieferung der Unfallpatienten parallel zur Baumaßnahme eine hohe logistische Herausforderung dar.

Tiefbauplaner beziehen Energieversorger und Stadtwerke mit ein und starten den ersten Erschließungsabschnitt
Die Versorgungssicherheit im Energie- und Wasserbereich sowie die Entsorgungssicherheit im Abwasserbereich sind abhängig von einem intakten Leitungsnetz. Aus diesem Grund ist die sorgfältige Instandsetzung und Erneuerung der Leitungskanäle von zentraler Bedeutung. Um die Strom-, Gas- und Wasserversorgung zu gewährleisten, wurden die Details zuvor mit den Energieversorgern abgestimmt und in Koordination mit den Stadtwerken im Vorfeld der Hochbaumaßnahmen vorbereitet.
Mit der Freilegung der Baufelder und dem Herrichten der Geländeoberflächen nahm die erste Bauphase im März 2009 ihren Anfang. Für das eine Fläche von 60.000 m² umfassende Freigelände wurden der Oberboden abgetragen, die Baumbestände verpflanzt und die nicht mehr benötigten Versorgungsleitungen entfernt. Außerdem wurden alle Ver- und Entsorgungsmedien erfasst und umgelegt sowie diverse Leitungen im östlichen Bereich des Krankenhausgeländes entfernt bzw. stillgelegt und verfüllt.

Part3

Die Trinkwasserversorgung und die Abwasserbeseitigung erfordern die Erneuerung der gesamten Kanalisation.
Die bestehende Kanalisation wird in großen Teilen erneuert und auf die Trassen der neuen Gebäude ausgelegt. Geplant sind zwei Entwässerungslinien von Süd nach Nord. Zur Vermeidung von Rückstau wird das Regenwasser getrennt vom Schmutzwasser abgeleitet. Aufgrund der schwierigen Untergrundverhältnisse werden die Schmutzwasserleitungen komplett in duktilem Gussrohr mit Zementmörtelauskleidung ausgeführt. Die Regenwasserleitungen werden in Stahlbeton umgesetzt. Besondere Anforderungen werden an die Trinkwasserqualität gestellt. Deshalb sind eine hygienebewusste Planung und Ausführung der trinkwasserführenden Installationen vorrangig. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass die vorhandenen Überflurhydranten zu erneuern sind bzw. umgebaut werden müssen.

Interims-Notfallgebäude hat Vorrang
Besonderes Augenmerk liegt bei der Verkehrserschließung auf der Interimsregelung zum laufenden Betrieb. Der erste Bauabschnitt umfasst daher den Neubau eines dreistöckigen Interims-Notfallgebäudes, um die räumlich beengten Verhältnissen in der Notaufnahme zu beenden. Dort werden zunächst zwei Intensivstationen und die Notaufnahme untergebracht. Diese sollen Ende des Jahres bezugsfertig sein. Gebaut wird auf der Fläche des jetzigen Haupteingangs, wofür das ganze Areal auch landschaftsbaulich umgestaltet wird. Als vorbereitende Maßnahme für das Interims-Notfallgebäude wird ein unterirdischer Technikkanal neu gebaut, in dem die wichtigsten Versorgungsleitungen der Gebäude verlegt werden. Zusätzlich werden eine neue Zufahrt zum Interimshaupteingang auf der Südseite sowie neue Parkflächen angelegt. Überdies muss das bestehende Wegenetz ergänzt werden, um die Erreichbarkeit vom Hauptparkplatz her zu gewährleisten. Daneben wird die alte Krankenhausstraße verlängert, als Einbahnverkehr hergestellt und das Krankenhausgelände mit einer neuen Auf- und Abfahrt versehen.

Zentraler Schwerpunkt der Kanal- und Schachtbauarbeiten: der Medienkanal
Der Medienkanal – als zentraler Versorgungskanal zwischen Funktionsbau und Energie- und Heizzentrale verlaufend – kann im bisherigen Bauzustand nicht erhalten bleiben; er wird verlegt und auf eine Größe von 2,80 x 2,75 m erweitert. In ihm werden alle Versorgungsleitungen wie Datenkabel, Telekommunikation, Stromversorgung, sonstige neue Medien sowie die Gas- und Wasserversorgung in funktioneller Anordnung zusammengefasst. Von der Umlegung des Medienkanales sind zeitgleich alle Abwasserkanäle betroffen, da ansonsten die Kreuzungspunkte nicht realisiert werden können. Ausgeführt wird eine Bauweise in Ortbeton mit Flachgründung.

Vorausschauende Bauleitung, Hand in Hand mit den Baufirmen und dem Landkreis
Gemeinsam im Team realisiert das Kovacic Ingenieure das anstehende Projekt unter den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit, Termintreue und der Qualität. Hierzu werden bestens geschulte und qualifizierte Ingenieure vor Ort eingesetzt, die auch mit der Arbeitsvorbereitung und der Bauleitung betraut sind. Auch das von der Bauleitung praktizierte Miteinander unter den beteiligten Baufirmen trägt zum Gelingen des Projekts bei. Besonders wertvoll jedoch ist der Austausch mit den Kollegen des Ingenieurteams und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eigenbetrieben des Landkreises.