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Neue Bahnhofstraße in Balingen

Das für die Große Kreisstadt prägende Bauprojekt „Bahnhofstraße“ bestand aus vielen Herausforderungen. Eine lag darin, die Bahnhofstraße in ihrer gestalterischen Ausprägung in das in der Friedrichstraße begonnene Gestaltungskonzept einzubinden und fortzuführen. Oberste Priorität hatten zudem die bauliche Qualität und die Einhaltung des festgelegten Termins.

Kovacic Rohrpost (RP): Was war der Kern dieses Konzepts und welche Erwartungen wurden an die Realisierung geknüpft?

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Baudezernent Ernst Steidle (ES): „Zum einen haben wir in der Friedrichsstraße eine sehr hohe Gestaltqualität realisiert, die von den Bürgern außerordentlich gut angenommen wird. Zum anderen haben wir die Situation, dass die Bahnhofsstraße als Landesstraße eine relativ hohe Verkehrsbedeutung für die Innenstadt hat, so dass wir es zunächst einmal mit einem Widerspruch zu tun hatten. Einerseits den Willen, die Gestaltqualität der Friedrichsstraße weitestgehend aufzunehmen und die Bahnhofsstraße aufzuwerten und dadurch attraktiver zu gestalten. Andererseits mussten wir die Verkehrsbedeutung beachten. Wir hatten eine Verkehrsstraße und eine zu gestaltende Straße zu realisieren. Dies war nicht einfach. Wir mussten im Grunde mit der Erwartung und dem Anspruch fertig werden, die Zone insgesamt von der Aufenthaltsqualität, was das Arbeiten, Wohnen oder Einkaufen betrifft attraktiver zu gestalten. Das waren die Kernpunkte der Aufgabe.
Die Umsetzung der Aufgabe bestand darin, den Fahrzeugverkehr in der Bahnhofstraße zu ermöglichen, aber nicht alle Fahrzeuge zwingend auf dieser Nord-Süd-Achse über die Bahnhofsstraße zu führen. Dazu gibt es heute Alternativen. Um innerhalb der Stadt von Nord nach Süd zu gelangen, kann man die Bundesstraße B27 nutzen. Aber das Bauchgefühl als Bewohner Balingens sagt ihnen, dass die Route über die Bahnhofsstraße hierfür die kürzeste Strecke ist. Uns ist es gelungen, durch die gestalterischen Maßnahmen wie Bäume, breite Gehwege, Anlegen von beidseitigen Parkspuren, Einführung von zwei überbreiten Fahrbahnen mit jeweils 4 Metern, die einen zweispurigen Verkehr zulassen, und durch eine 30 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung den Verkehr auf der Bahnhofstraße zu reduzieren. Zusätzlich ist der Standort der Geschäfte dort deutlich attraktiver geworden. Und ich denke, dass diese Straße genauso wie die Innenstadt von der Bevölkerung sehr stark angenommen wird. Das war der Kern unserer Planungsidee, die wir in der Tat auch realisieren konnten.
Dazu kam noch der Kirchplatz, der in die Aufenthaltsqualität der Bahnhofstraße eingebunden und geöffnet wurde. Dieser war bislang eher abgeschlossen und der Kirche zugeordnet. Heute haben wir eine Verknüpfung zwischen dem Fußgängerverkehr, dem Eingang der Kirche mit einer hohen Aufenthaltsqualität, dem Verlauf zwischen der südlichen und der nördlichen Friedrichsstraße und dem Bahnhof.“

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RP: Wie wurden die zu erwartenden Verkehrsbehinderungen bewältigt? Welche Maßnahmen waren besonders hilfreich? Gab es unangenehme Überraschungen?

ES: „Baustellen haben auch immer schwierige Phasen. Zunächst galt es, ein schlüssiges, effektives Umleitungssystem zu entwickeln und entsprechend auszuschildern. Das ist uns über die Nutzung von Nebenstraßen gelungen. Aber wir haben uns auch zusammen mit den Kovacic Ingenieuren eine weitläufigere Umgehung dieses Straßenabschnittes der Bahnhofsstraße überlegt. Das hat ganz gut funktioniert. Schwieriger war für uns die Tatsache, dass an der Straße Büros und Einzelhandelsflächen angesiedelt waren. Darin bestand auch die besondere Schwierigkeit der Baustelle. Zum einen stören auf einer Baustelle Fußgänger und Passanten, weil für sie überall Gefahren lauern. Auf der anderen Seite war es natürlich unsere und die Aufgabe der Bauleitung, die Zugänglichkeit zu jeder Zeit zu gewährleisten und durch Provisorien oder auch Absperrungen den Geschäfts- und Privatverkehr weiterhin zu ermöglichen. Ich denke, das hat ein großes Maß an Geschick und Organisationstalent erfordert und war sicherlich die größte Herausforderung. Überraschungen größerer Art blieben weitgehend aus. Durch den ständigem Kontakt auf allen Ebenen – vom Stadtplanungsamt, über das Tiefbauamt bis zur Bauleitung der Kovacic Ingenieure – haben wir hier versucht flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen.“

RP: Welche Rolle hatten die Anlieger in diesem Bauprojekt gespielt und was ist deren Fazit?

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ES: „Wir haben von Anfang an darauf Wert gelegt, dass man mit den Anwohnern und den Geschäftsinhabern im engen Kontakt steht. Die Maßnahme wurde von der Verwaltung sehr intensiv vorbereitet. Es gab öffentliche Beratungen im Gemeinderat und regelmäßige Treffen im Rathaus auch während der Bauphase. In dieser Phase war es uns ganz wichtig, dass wir die Anwohner ständig auf dem Laufenden hinsichtlich des Bauablaufs hielten. Wir haben erklärt, was erforderlich ist und warum die Straße zeitweise nicht problemlos begehbar war.
Mit der Bauleitung zusammen wurde dann die Idee entwickelt, in einem ansässigen Einzelhandelsgeschäft, einem Biomarkt, im Schaufenster die Pläne auszuhängen und dort die neuesten Baustellennachrichten zu präsentieren, um für offene Fragen immer auch Antworten geben zu können. Transparenz und Einbindung waren äußerst wichtig. Das Thema hieß, die Leute mitzunehmen. Was uns positiv entgegen kam, war der Vertrauensvorschuss, den wir uns durch die Innenstadtsanierung erworben haben. Die Leute wussten also, dass, wenn wir uns alle zusammen einbringen, auch ein positives Ergebnis am Ende stehen wird.
Wir wollten vor dem Winter fertig werden um das Weihnachtsgeschäft zu ermöglichen. Dies hatten wir den Leuten zugesagt. Das war ein ganz wichtiger Anspruch, den wir letztendlich auch erfüllen konnten. Das Miteinander und das ständige Gespräch waren entscheidende Faktoren, die uns auch ein weitgehend störungsfreies Zusammenwirken gewährleistet haben.

RP: Wie beurteilen Sie die Leistungen von Kovacic Ingenieure? Die Planung und die Bauleitung? Was hat Sie dazu bewegt, die Kovacic Ingenieure mit dieser Aufgabe zu beauftragen?

ES: „Die Kovacic Ingenieure hatten wir bei einer für uns bedeutenden Baustelle kennengelernt, die allerdings in privater Regie lief. Das war der Bau der heutigen Sparkassen Arena in Balingen. Dort waren sie beauftragt, die Tiefbau- und Außenanlagenplanungen zu realisieren. Auf uns hat das Büro damals einen sehr guten Eindruck gemacht. Im Vorfeld der Maßnahme Bahnhofstraße habe ich das Büro dann eingeladen, diese schwierige Baustelle für uns zu übernehmen. Wir haben das gleichzeitig als Bewährungsprobe für eine weitere Zusammenarbeit gesehen. Unser Anspruch war hoch. Kovacic Ingenieure haben in vollem Umfang unsere Erwartungen erfüllt. Sie haben sich durch ein hohes Maß an Flexibilität, und ein bemerkenswertes Organisationsgeschick ausgezeichnet. Die enge Terminplanung wurde punktgenau eingehalten. Die menschlich sehr positive Art der Zusammenarbeit und das Gespräch mit den Anwohnern und Geschäftsbetrieben waren mir persönlich wichtig. Es ist dem Bauleiter Herrn Musen in ganz besonders hervorzuhebender Weise gelungen, den Kontakt, das Verständnis und das Gespräch mit den Bürgern während der gesamten Bauzeit zu suchen und aufrecht zu halten. Das Bemerkenswerte war, dass dabei die Qualität der Arbeiten am Ende gestimmt hat, und dass keine größeren Probleme mit den ausführenden Firmen entstanden sind. Das war schon eine bemerkenswerte Leistung. Also, ohne weitere Einwendung eine Gesamtnote von 1 bis 2.“

Vielen Dank für das Gespräch!