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Landratsamt Sigmaringen setzt neues Entwässerungskonzept um


Als Spezialistin unter anderem für den Bereich Siedlungswasserwirtschaft wurde die Kovacic Ingenieure GmbH mit der Neukonzipierung der Entwässerung des Landratsamts (LRA) Sigmaringen beauftragt. Basierend auf der Untersuchung des Kanalzustands durch den Landkreis hat Kovacic Ingenieure verschiedene Varianten einer effektiven Entwässerung entwickelt. Die Lösung, für die sich der Kreistag dann entschieden hat, ist ein Trennsystem mit vollständiger Versickerung des auftretenden Oberflächenwassers in einem zentralen Versickerungsbecken. Der erste Bauabschnitt des Konzepts wurde bereits abgeschlossen, der zweite Bauabschnitt wird derzeit umgesetzt.

Historisch gesehen ist die Entwässerung des LRA Sigmaringen eng mit dem Bau und der Entwicklung der Funktion der Gebäude auf der Liegenschaft in der Leopoldstraße verbunden.
Ursprünglich als Fürst-Carl-Landeskrankenhaus gebaut und genutzt, wurde mit dem Bau des neuen Kreiskrankenhauses und dem Freiwerden des Gebäudekomplexes die Möglichkeit geschaffen, einen Großteil der Fachbereiche des LRA Sigmaringen dort unterzubringen.
Im Hinblick auf die geplante Erweiterung des LRA Sigmaringen in den Jahren 2012 – 2014 durch einen zusätzlichen Neubau wurde vom Landkreis eine Untersuchung des derzeitigen Kanalzustands durchgeführt und durch Kovacic Ingenieure im Rahmen der Eigenkontrollverordnung ausgewertet.

Trennsystem mit vollständiger Versickerung des Oberflächenwassers

Bedingt durch teilweise erhebliche Schäden in den bestehenden Leitungen und der Notwendigkeit, im Baufeld des Neubaus die dort verlegten Kanäle umzulegen, erarbeiteten Kovacic Ingenieure verschiedene Varianten wie etwa die Beibehaltung mit Ausbau des derzeitigen Mischsystems, aber auch die Umgestaltung der gesamten Entwässerung in ein klassisches Trennsystem. Bereits im Oktober 2010 beschloss der Kreistag auf dieser Basis eine Neukonzipierung der Entwässerung in ein Trennsystem mit vollständiger Versickerung des anfallenden Oberflächenwassers in einem Versickerungsbecken.
Damit ist es möglich, etwa 25.000 m² befestige Fläche – Dachflächen, Parkflächen, Wege- und Hofflächen – vom öffentlichen Kanalnetz der Stadt Sigmaringen abzukoppeln und damit die nachfolgenden Entwässerungsanlagen – Kanalisation, Regenwasserbehandlungsanlage, Pumpwerk Allee und Kläranlage Sigmaringen – hydraulisch zu entlasten. Mit der Einführung der gesplitteten Abwassergebühr im Frühjahr 2012 werden als weiterer Effekt der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung Jahr für Jahr erhebliche Kosten an Niederschlagswassergebühr eingespart.

Neukonzipierung der Entwässerung in zwei Bauabschnitten

Die gesamte Neukonzipierung der Entwässerung wird in insgesamt zwei Bauabschnitten umgesetzt, wobei jeder Bauabschnitt neben der Neuverlegung von Abwasserleitungen (Neubau in offener Bauweise) jeweils auch einen Anteil an geschlossener Sanierung in Form von Schlauchlinern bzw. Partlinern umfasst.
Im ersten Bauabschnitt wurde die Entwässerung des gesamten nördlichen Teils des LRA Sigmaringen – Bereich Erweiterungsbau, Innenhof Hauptgebäude, Vinzenzhaus, Kfz-Zulassung, DRK-Gebäude und der Bereich der neuen Energiezentrale – bereits umgesetzt. Im zweiten Bauabschnitt erfolgt in den kommenden Jahren der südliche Liegenschaftsbereich mit dem südlichen Hauptgebäude, dem Annahaus, der Engelsburg und Maria Hilf.

Zentrales Versickerungsbecken zwischen Hauptgebäude und Leopoldstraße

Das Herzstück der Neukonzeption bildet das zentrale Versickerungsbecken, welches sich zwischen dem Hauptgebäude und der Leopoldstraße harmonisch in die dort bereits vorhandene Grünanlage einfügt. Hier wird das gesamte Oberflächenwasser der Gebäude, der bestehenden und der geplanten Parkplätze sowie der Straßen, Wege und Höfe auf der gesamten Liegenschaft eingeleitet und vollständig über eine belebte Oberbodenzone in den Untergrund versickert.
Zur Sicherstellung der Versickerung sind an drei Stellen direkt unterhalb des Versickerungsbeckens Abteufungen über vliesumhüllten Filterkiesrigolen mit bis zu 6 m Tiefe auf den anstehenden klüftigen Felshorizont angeordnet. überlaufschächte mit direkter Anbindung in die Filterkiesrigolen gewährleisten die Einhaltung einer maximalen Einstauhöhe von 0,50 m.
Vor dem Versickerungsbecken sind zwei Regenwasserreinigungsanlagen zur Rückhaltung von absetzbaren Stoffen aus den befestigten Flächen in Form von Sedi-Pipes angeordnet, deren Wirkungsweise ähnlich den klassischen Regenklärbecken ist.

Retentionsmulden für die Parkplätze
Die im Vorfeld der Entwässerungsarbeiten angelegten Parkplätze zwischen der Ludwig-Erhard-Schule und dem Landratsamt sowie den neuen Parkplätzen östlich des DRK-Gebäudes sind zusätzlich mit Retentionsmulden ausgestattet, die eine Reinigung und Verzögerung der Ableitung vor Ort bewirken. Über Sammelleitungen werden die gereinigten Oberflächenwasser direkt in die Filterkiesrigolen unterhalb des Versickerungsbeckens eingeleitet und versickert.
Mit der Umsetzung des ersten Bauabschnitts kann bereits ein Großteil des anfallenden Oberflächenwassers einschließlich des geplanten Erweiterungsbaus und der damit verbundenen Außenanlagen dezentral entwässert werden.

Technische Daten:
Einzugsgebiet / Angeschlossene Fläche: AG = 25.640 m²
davon Dachflächen AD = 9.245 m²
davon Straßen, Wege, Höfe AS = 16.395 m²

Kanalisation Gesamtmaßnahme
BA 1: Neubau Kanalisation einschließlich Nebennetz
DN 200 – DN 500 L = 2.035 m
BA 2: Neubau Kanalisation einschließlich Nebennetz
DN 200 – DN 400 L = 345 m
BA 1 und BA 2: Geschlossene Sanierung L = 400 m

Versickerungsbecken:
Sohlfläche AV = 685 m²
Nutzbares Volumen VN = 378 m³
Kiesrigole Filterkies 16/32 V = 800 m³

Retentionsmulden Parkplätze
Gesamtsohlfläche A = 157 m²
Gesamtes nutzbares Volumen VN = 86 m³
Kiesrigolen Filterkies 16/32 V = 50 m³