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Einbau eines Feinsiebrechens in Pfullendorf

Der Kehlbach in Pfullendorf war und ist durch seine Entlastungsfunktion für das Regenüberlaufbecken RUEB 1 bisher sowohl stofflich als auch hydraulisch stark belastet. Um auch bei Starkregenereignissen die stoffliche Belastung des Kehlbachs zu minimieren, forderte das Landratsamt Sigmaringen als Genehmigungsbehörde, den Schmutzaustrag zu reduzieren. Kovacic Ingenieure setzten die Aufgabe mit der Planung einer Horizontal-Feinsiebrechenanlage mit automatischer Siebreinigung um. Damit ist auch bereits bei kleinen Überlaufereignissen ein maximaler Schmutzfrachtrückhalt im Abwassersystem zum Schutz des Kehlbachs gegeben.

Part3

Eines der großen Regenüberlaufbecken der Stadt Pfullendorf, das RUEB 1 mit einem Volumen von fast 2.000 m³, liegt direkt vor der Kläranlage Pfullendorf. Zusammen mit dem Zuleitungssammler DN 2400 wird das Becken als Regenwasserbehandlungsanlage für den nördlichen Stadtkern genutzt.
Die Entlastung des RUEB 1 erfolgt direkt in den Kehlbach, der im Sommer aber temporär sehr wenig Wasser führt. Zudem liegt der Kehlbach unmittelbar am Naherholungsgebiet „Seepark“ und ist an dieser Stelle von den Besuchern des Parks direkt einsehbar. Daraus resultierte auch die Forderung des Landratsamts Sigmaringen nach einer Reduzierung des Schmutzaustrags bei Überlaufereignissen.
In Abstimmung mit dem Landratsamt und gefördert nach den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft 2009 planten die Kovacic Ingenieure den Einbau eines Feinsiebrechens und setzten das Konzept im Frühjahr 2010 um.
Zur Ausführung kam schließlich eine Horizontal-Feinsiebrechenanlage mit automatischer Siebreinigung und einer Sicherheitseinrichtung für Starkregenereignisse. Ein aufklappbarer Schwenkrost am vorhandenen Beckenüberlauf sorgt dafür, dass die Anlage auch bei Starkregen voll einsatzbereit ist. Die horizontal angeordnete Feinsiebrechenanlage hat außerdem zwei entscheidende Vorteile: Bereits bei kleinster Überlaufhöhe steht die komplette Siebfläche zur Verfügung, um den Schmutzaustrag zu reduzieren, und der hydraulische Widerstand ist vergleichsweise sehr gering. Durch die gleichmäßige und vor allem konstante Durchströmungsgeschwindigkeit hält die Anlage so einen Großteil des Schmutzes zurück. Das Sieb wird mit einer Bürstenvorrichtung automatisch gesäubert, so dass das Wasser zu jeder Zeit ungehindert weiter durchfließen kann und dabei effizient gereinigt wird.

Technische Daten für die Bemessung

Maximaler Zulauf zum RUEB 1: Qmax= 14.140 l/s

Durchflussmenge Feinsiebrechen: QSieb = 7.840 l/s

Notüberlaufmenge: QNÜ = 6.300 l/s

Schwellenläge BUE: LSchwelle = 17,25 m

Schwellenoberkante BUE: HSchwelle = 621,22 müNN

max WSP Notüberlauf bei QU = 14.140 l/s: WSPmax = 622,47 müNN

max WSP Betrieb bei Q = 7.840 l/s: WSPBetrieb = 621,84 müNN

Ausführung des Feinsiebrechens

Feinsiebrechen aus Edelstahl mit 4 Elementen mit je einer Rechenlänge von 4 x 3,80 m
LGesamt = 15,20 m
Waagrechte Anordnung mit vertikaler Durchströmung
Siebrost mit Langlöchern und Reinigung durch Bürstenanlage
Elektrohydraulische Antriebseinheit mit SPS-Steuerung
Senkrechte Stauwand funktioniert auch als Tauchwand

Die elektrotechnische Ausrüstung, die elektrohydraulische Rechenantriebseinheit sowie die Niederspannungsanlage der Feinsiebrechenanlage konnten im bereits bestehenden Schaltschrank des Betriebsraums installiert werden, der für die Entleerung der installierten Rohrschnecken des RUEB´s erbaut wurde. Darüber hinaus erfolgte eine direkte Anbindung des Feinsiebrechens an die Leitzentrale auf der Kläranlage Pfullendorf, damit die Anlage fernwirktechnisch von dort aus gesteuert werden kann.